Da es mir hier in Nicaragua so gut gefällt, meine Organisation Pan y Arte bisher noch keine Nachfolge gefunden hat und mich in Deutschland so schnell ausser Freunden und Familie nichts erwartet, habe ich meinen Aufenthalt verlängert und meine Flüge verschoben. Ich werde mein Leben als "Chele" in Nicaragua also noch ein bisschen genießen und bin erst am 27. Mai wieder auf hamburgerischen Boden!
Mittwoch, 18. Februar 2009
Verlängerung
Da es mir hier in Nicaragua so gut gefällt, meine Organisation Pan y Arte bisher noch keine Nachfolge gefunden hat und mich in Deutschland so schnell ausser Freunden und Familie nichts erwartet, habe ich meinen Aufenthalt verlängert und meine Flüge verschoben. Ich werde mein Leben als "Chele" in Nicaragua also noch ein bisschen genießen und bin erst am 27. Mai wieder auf hamburgerischen Boden!
Dienstag, 3. Februar 2009
Costa Rica - Pura Vida???
Ende Januar haben Flo und ich uns aufgemacht um ein bisschen mehr von Lateinamerika zu erkunden. Ziel: Costa Rica! Schon aus zahlreichen Erzählungen wussten wir, dass es ein weit entwickelteres Land als Nicaragua ist und dadurch automatisch auch teurer und touristischer. Was uns schlussendlich jedoch erwartete hätte ich mir nicht vorstellen können:
Schon am allerersten Tag in unserer ersten Station "Canas" fühlten wir uns versetzt in eine völlig andere Welt: elektronische Bewässerung im Parque Central und Mülltrennung ließen uns fasst glauben wir wären in Europa gelandet.
(Zu dieser Station ist noch Folgendes zu erklären: Canas war für sieben Monate die zweite Heimat Lorenz Waschers - Klassenkamerad - der dort Teil seines 11. Schuljahrs verbracht hat. Als ich in dem Wohnzimmer seines Gastbruders Robertos saß, der mir schon in Harburg in einer Spanischstunde mit Frau Busch Salsa-Stunden gegeben hat, und dann auch noch Lori am Telefon hatte wurde mir mal wieder klar: die Welt ist ein Dorf. Wie verrückt!!! Wir stellten dann auch noch fest, dass wir den Cousin des aktuellen deutschen Austauschschülers kennen, der zur Zeit in Managua, Nicaragua lebt und der Freund von Florians Freundin ist.)
Am nächsten Tag au
f dem Weg nach Monteverde, einem Nebelwald in Costa Rica, bestätig
te sich der Eindruck immer mehr: da es oben in den Bergen immer kühler wurde und sich später auch noch einregnete fühlten wir uns definitiv nicht mehr wie in Lateinamerika. Vielmehr erinnerten Häuschen und grüne Bergkuppen an Österreich oder ähnliche Regionen Europas. Höhepunkt war allerdings der kleine Stadtpark in La Fortuna am Fuße des Vulkans El Arenal. Regelrecht englisch, gepflegt und mit Präzision angelegt und gehütet passte der für uns überhaupt nicht mehr ins Bild.
In allen unseren Stationen erwarteten uns perfekt vorbereitete Touren von denen wir auch Einige, wie waghalsiges Canopy und Tarzanschwingen über weite Schluchten, und Besuch in heißen Thermalquellen bei anhaltendem kühlen Regen annahmen. Für ein paar Tage war es ein nettes Programm, doch länger hätten wir glaube ich beide keine Lust gehabt dem Strom der Tourimassen zu folgen. Hätten wir nicht am Anfang bei Roberto vorbeigeschaut, der uns trotz Überraschung sehr herzlich aufnahm und am Ende noch einen Freund in San José besucht, hätten wir wahrscheinlich bis auf Tour-Guides, Kellner und Hostelbesitzer nicht einmal mit einem "Tico" (Costarikaner) eine Unterhaltung geführt.
Mir persönlich stellt sich die Frage wo da, zumindest für Durchreisende Besucher, das "Pura Vida" (Reines Leben) bleibt? Alles ist vorgeplant und man muss nicht mal Spanisch sprechen um zurechtzukommen. Wie soll man also an diesem Leben, an dieser Kultur teilnehmen?
(Ich bezweifle nicht, dass sich dieser Umstand ändert wenn man für längere Zeit gemeinsam mit Ansässigen wohnt und man natürlich auch Kultur und Gesellschaft kennen und verstehen lernt.)
Für mich jeden Falls waren es ein paar schöne Tage mit neue Eindrücke und lustigen Unternehmungen die ich jedoch danach auch gerne wieder aufgegeben habe um in mein eher alltägliches Leben in Nicaragua zurückzukehren - in das tatsächliche Pura Vida.
P.S: Es bleibt zu erwähnen, dass der viele Toursimus auch Vorteile mit sich brin
gt, denn natürlich fällt es jedem schwer seine Gewohnheiten und Vorzüge aus der Heimat aufzugeben:
So genossen Flo und ich nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder richtig guten Kaffee mit leckerem, frischen Kuchen :) in einem von österreichern geführten Wiener Kaffe-Haus im Touristenort La Fortuna...
Schon am allerersten Tag in unserer ersten Station "Canas" fühlten wir uns versetzt in eine völlig andere Welt: elektronische Bewässerung im Parque Central und Mülltrennung ließen uns fasst glauben wir wären in Europa gelandet.
(Zu dieser Station ist noch Folgendes zu erklären: Canas war für sieben Monate die zweite Heimat Lorenz Waschers - Klassenkamerad -
Am nächsten Tag au
In allen unseren Stationen erwarteten uns perfekt vorbereitete Touren von denen wir auch Einige, wie waghalsiges Canopy und Tarzanschwingen über weite Schluchten, und Besuch in heißen Thermalquellen bei anhaltendem kühlen Regen annahmen. Für ein paar Tage war es ein nettes Programm, doch länger hätten wir glaube ich beide keine Lust gehabt dem Strom der Tourimassen zu folgen. Hätten wir nicht am Anfang bei Roberto vorbeigeschaut, der uns trotz Überraschung sehr herzlich aufnahm und am Ende noch einen Freund in San José besucht, hätten wir wahrscheinlich bis auf Tour-Guides, Kellner und Hostelbesitzer nicht einmal mit einem "Tico" (Costarikaner) eine Unterhaltung geführt.
Mir persönlich stellt sich die Frage wo da, zumindest für Durchreisende Besucher, das "Pura Vida" (Reines Leben) bleibt? Alles ist vorgeplant und man muss nicht mal Spanisch sprechen um zurechtzukommen. Wie soll man also an diesem Leben, an dieser Kultur teilnehmen?
(Ich bezweifle nicht, dass sich dieser Umstand ändert wenn man für längere Zeit gemeinsam mit Ansässigen wohnt und man natürlich auch Kultur und Gesellschaft kennen und verstehen lernt.)
Für mich jeden Falls waren es ein paar schöne Tage mit neue Eindrücke und lustigen Unternehmungen die ich jedoch danach auch gerne wieder aufgegeben habe um in mein eher alltägliches Leben in Nicaragua zurückzukehren - in das tatsächliche Pura Vida.
P.S: Es bleibt zu erwähnen, dass der viele Toursimus auch Vorteile mit sich brin
So genossen Flo und ich nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder richtig guten Kaffee mit leckerem, frischen Kuchen :) in einem von österreichern geführten Wiener Kaffe-Haus im Touristenort La Fortuna...
Sonntag, 14. Dezember 2008
Demokratie???
Mit einiger Verspätung kommt nun mal eine Stellungnahme meinerseits zu der politischen Situation in Nicaragua (dabei will ich darauf hinweisen, dass alles eine persönliche Einschätzung ist, die sicherlich längst nicht immer stimmt und auf meinen gerade mal vier Monaten Aufenthalt in diesem Land beruhen). Verspätung daher, da die Kommunalwahlen vom 9. November nun schon einen Monat her sind und Anlass für neue Entwicklungen gaben.
Obwohl die Kommunalwahlen für die politische Entwicklung in Nicaragua eine nicht allzu große Wichtigkeit haben, da die meiste, unumstrittene Macht sowieso der Präsident hat, lösten sie einige Proteste, Debatten Unzufriedenheit und Kritik aus.
Präsident Nicaraguas ist zur Zeit Daniel Ortega, Anführer der sandinistischen "Frente"-Partei FSLN.
Schon kurz nach der Wahl - obwohl noch nicht offiziell - wurde deutlich, dass eindeutiger Gewinner erneut die Sandinisten zu sein schienen. Nach ihrem langen Wahlkampf der schon seit meiner Ankunft im August im Gange war, haben sie es also wieder geschafft - wie ist noch sehr umstritten!
Fuchsiafarbene Plakate mit dem winkenden Abbild Ortegas schmückten seit Monaten ganz Nicaragua. Fuchsia daher, da es angeblich die bösen Geister vertreibt - Ortegas Frau ist laut Hören-Sagen abergläubisch. Dazu kamen Wahlsprüche wie "Die Liebe ist stärker als der Hass" und "Vamos por más Victorias" (= Wir gehen für mehr Siege). Letzterer ist ein wenig sarkastisch, da eine der beiden nicaraguanischen Biermarken "Victoria" heißt.
Abgesehen von Wahlplakaten wurden diese Sprüche auch von Nicaraguanern selbst publiziert. In großen Zahlen standen sie immer wieder in Managua an den "Rotondas" (Kreisel und Hauptknotenpunkte des Verkehrs) ausgestattet mit Wahlspruch-Shirts und Fahnen (schwarz-rot sind die Parteifarben, stammend aus der Zeit der Revolution). Ihre Motivation ist jedoch umstritten. Auch wenn sie auf den ersten Blick natürlich für Partei-Anhänger gehalten werden ist dies in der Merheit wahrscheinlich gar nicht der Fall. Vielmehr die Religion oder die blanke Armut waren Gründe, sich tagelang Regenfällen und Abgasen auszusetzen. Wenn sie nicht von der Kirche überzeugt wurden, waren wohl 100 Cordoba (ca. 3 Euro) und drei Mahlzeiten am Tag ein überzeugendes Argument.
Immer wieder sah man auch mit Farbe bespritze Plakate und wenn man sich umhört, bekommt man lediglich negatives im Bezug auf Politik zu Ohren. Man fragt sich also: Wenn Niemand für Ortega und seine Partei ist, warum hat er dann wieder gewonnen?
Wie das in der Politik so ist, gibt es keine eindeutige, 100%ige Antwort, sondern mehrere Lösungsansätze die wohl alle zusammenspielen.
Ein erster Grund liegt wohl in der Vergangenheit. Bei der Machtübernahme Ortegas nach der Revolution (damals war er auch schon einmal Präsident), nahm er den Reichen Land und Geld und verteilte es neu an die unteren Gesellschaftsschichten. Das wird ihm noch heute von der armen Bevölkerung, die den Großteil ausmacht angerechnet. Dass offensichtlich viele Gelder auch in die eigene Tasche und an Parteianhänger geflossen sind, wird dabei nicht gesehen oder will nicht wahrgehabt werden.
Außerdem verspricht die Partei freie Bildung und medizinische Versorgung für Alle. Ein guter Ansatz, der jedoch in der Praxis so nicht funktioniert. Immer wieder fehlt es an Kapazitäten, Personal, Medikamenten und Materialien. Schulen müssen beispielsweise monatliche Gelder einsammeln oder durch Essensverkauf Gelder einnehmen. Trotzdem werden die Versprechen wohl aufgrund fehlender Bildung geglaubt.
Fehlende Bildung und nicht außreichende Informationsmöglichkeiten bilden einen weiteren Aspekt. Es gilt zwar Meinungsfreiheit, aber als wirklich umgesetzt kann man sie nicht bezeichnen, wenn man beachtet, dass die Regierung einen eigenen Fernsehsender ("Kanal 4") hat und zwischen den Runden eines wichtigen Boxkampfes mit nationalem Aufsehen Parteiwerbung gezeigt wird. Es lautet: "Gegen Korruption". Nicht nur, dass die Regierung einen großen Teil der Medien einnimmt, die friedliche Meinungsäußerung wird auch noch verhindert. Als jugendliche Studenten vor dem Gebäude des Kanal 4 friedlich demonstrieren, kommt auf einmal eine Gruppe erwachsener Männer vorbei und beginnt auf die Jugendlichen einzuprügeln. Die Polizei ist nicht zu erblicken und über die Herkunft der Prügler kann man nur spekulieren.
Resultat dieser Mediensituation ist, dass ein Großteil der Bevölkerung gar nicht weiß, was andere Parteien für Programme haben. Sie beschweren sich über die aktuelle Situation gehen aber nicht wählen, mit der einfachen Begründung die anderen Parteien wären auch nicht besser.
Dies sind einige Gründe für einen erneuten Sieg die tieferen Ursprungs sind. Auch der Ablauf der Wahl selber wird jedoch immer wieder als Grund genannt.
Zwei Parteien wurden am Tag vor der Wahl aus fadenscheinigen Gründen ausgeschlossen, Wahlstätten wurden statt um sechs Uhr abends schon Mittags geschlossen, Wahlvertreter gegenerischer Parteien konnten die Wahlstätten nicht betreten und der größte Skandal sind wohl die zu Gunsten anderer Parteien ausgefüllte Wahlzettel die in Mülleimern und Straßengräben gefunden wurden. Die Frage "Demokratisch?" kann also auf keinen Fall mit einem eindeutigen "Ja" beantwortet werden.
Was nun noch verwundert ist, was nach der Wahl passierte und offensichtlich bis in die amerikanischen und europäischen Medien vordring. Obwohl die Frente Partei ja scheinbar erfolgreich manipuliert und Geld für den Wahlkampf "rausgeschmissen" hat, kam es initiiert von sandinistischen Anhängern zu Krawallen und Prügeleien in Managua, Leon und weiteren Städten Nicaraguas. Bei den ersten Auseinandersetzungen gab es sogar zwei Tote. Grund genug für die amerikanische Regierung ihren Bürgern von einer Einreise nach Nicaragua abzuraten - der Tourismus, wichtige Branche der nicaraguanischen Wirtschaft wird also weiter zurückgehen. In Granada kam es glücklicherweise zu keinen Gewaltakten, da hier die PLC Partei gewonnen hat (kein Grund zur Sorge). Die Randalierer wurden nämlich laut Gerüchten, die für sehr wahrscheinlich angesehen werden können, von der Regierung finanziert und ausgestattet. Ganze Busse mit gewaltbereiten und mit Macheten ausgestatteten Nicas fuhren in schwarz-rot durch Managua um Wahlschilder gegnerischer Parteien zu zerstören und sich mit Anhängern anderer Parteien mit Steinen zu beschmeißen. Kontrovers sind dabei wiederum die T-Shirts mit der Aufschrift "Die Liebe ist stärker als der Hass" mit denen sich die Aktivisten verhüllen. Motivation ist wahrscheinlich eine ähnliche wie für das "Rotonda"-Stehen, beziehungsweise fehlende Bildung und "Spaß" an Gewalt. Wiederum war während der ganzen Vorkommnisse kaum etwas von der Polizei zu sehen.
Als das Wahlergebnis dann nach etwa zwei Wochen offiziell verkündet wurde und die Frente-Partei offenkundig ihren Sieg feiern konnte, trat dann Ortega als Held auf, darum bittend, dass die Krawalle ein Ende haben mögen. Wie von Gott erhört gab es tatsächlich keine weiteren Auseinandersetzungen.
Die USA sowie die EU haben bereits auf den geschilderten Ablauf der Wahlen und die daraus resultierenden Vorkommnisse reagiert und angefangen finanzielle Unterstützungen streichen. Ortega stört das jedoch nicht groß, versichert seinen Bürgern Nicaragua wäre auf die Gelder nicht angewiesen und baut seine Beziehungen zu Venezuela und Hugo Chávez immer weiter aus.
Mir stellt sich die Frage wie es hier weiter gehen soll. Zurecht fragt ein Zuschauer in einer Fernsehsendung per Telefonzuschaltung wie es hier erst nach den nächsten Präsidentialwahlen aussehen soll. Ortega jedefalls wird seine Macht nicht einfach so abgeben und zwei mögliche Wege die in die Zukunft weisen sind eine Diktatur oder eine neue Revolution.
Von einer reinen Demokratie kann man jedefalls bereits jetzt nicht mehr sprechen und kann nur hoffen, dass dieses Land auf einem friedlichen Weg wieder zu ihr zurückfinden kann.
Mittwoch, 5. November 2008
Transportmittel
Um sich in Nicaragua fortzubewegen, gibt es eine Mehrzahl von verschiedenen Möglichkeiten:Innerhalb Granadas kann man beispielsweise vieles zu Fuß erreichen, da es ein Zentrum gibt in dem mehr oder weniger alles zu bekommen ist was man so braucht. In Managua hingegen, ist das schon wieder schwieriger, denn es gibt kein einheitliches Zentrum und alles ist über die Stadt verstreut.
Abhilfe schafft da für einen Großteil der Bevölkerung das Fahrrad. Es ist verhältnismäßig günstig und kann im Extremfall bis zu vier Personen transportieren (ja vier: einer auf dem Sattel, einer auf dem Gepäckträger, einer auf der Stange und eine weitere Person auf dem Lenker).
Eine ähnliche Menschendichte kann man auf Mofas antreffen. Vater, Mutter und Kind ist keine Ausnahme. Manchmal wird noch das Baby mitgenommen. Mofas sind beispielsweise auf unbefestigten, löchrigen Staubwegen besonders praktisch, da sie sich einen Weg durch all die Hügel und Täler, der durch den Regen zerstörten Straßen suchen können.
Wenn man allerdings mit mehr Personen unterwegs ist wählt man für solche Strecken die „Camioneta“ – einen Pick-Up. Auch auf denen können meist erstaunlich viele Personen mitfahren und solange noch Platz ist nimmt man immer gerne jemanden mit oder wird mitgenommen. Dieses Gefährt bietet meiner Meinung nach eine perfekte Möglichkeit des Trampens, denn 1. muss man keine Angst haben bei wem man einsteigt (zur Not kann man ja einfach abspringen ;)), 2. derjenige der einen mitnimmt muss keine Angst haben wen er da mitnimmt und 3. man muss sich nicht gezwungenermaßen mit dem Fahrer über Gott und die Welt unterhalten. Wenn man also hintendrauf mitfährt klopft man einfach auf das Fahrerabteil, steigt ab und bedankt sich.
Innerhalb der Stadt kann man ansonsten natürlich auch Taxi fahren. Die sind relativ günstig und man zahlt beispielsweise innerhalb Granadas 10 C$ (=40 cent) für eine Fahrt - lustigerweise pro Person. Auch hier ist die Personenzahl relativ unbegrenzt. Der Rekord von uns liegt bei 11 Personen. Eine weitere Besonderheit der Taxis in Nicaragua ist ihre Liebe zur Hupe. Eine Hand ruht meist während der gesamten Fahrt auf der Mitte des Lenkrads um alle paar Sekunden entweder eine Überholung oder die Überkreuzung einer Kreuzung anzukündigen. Auch Fußgänger bieten eine Gelegenheit zum Hupen, da sie Potentielle Mitfahrer sind. Auch durch rufen aus dem Fenster machen die Taxifahrer auf sich aufmerksam. Wenn dann tatsächlich ein Fußgänger mit möchte braucht man sich nicht wundern wenn er/sie einfach mit einsteigt. Das ist so üblich. Es gibt auch noch eine kleinere Sorte von Taxis die aussehen wie kleine Elektroautos und eher kurze Strecken fahren. Sie tragen meist einen Namen wie „Playboy“ oder ähnliches.
Für weitere Strecken – beispielsweise nach Managua – nutzt man die Busse (Eisenbahnen wurden während der Revolution zerstört, bzw. die Materialien gestohlen). Bei denen lässt sich noch unterscheiden zwischen Expresos – relativ große Omnibusse die bis zum Erbrechen vollgestopft werden – und Chickenbuses (gleiches Phänomen). Das sind die gelben, ausgemusterten Schulbusse aus Gringolandia (USA) die eine schwarze Wolke von Abgasen hinter sich her ziehen. Mit den Expresos ist man etwas schneller unterwegs, dafür kosten sie auch ein bisschen mehr (20C$ = 70cent). Aussteigen kann man überall wo man will. Einfach dem Geldeintreiber Bescheid sagen, schon hält der Bus. Die Bezahlungsweise ist ebenfalls sehr beeindruckend. Zunächst fährt der Bus ein ganzes Stück, bis er aus der Stadt raus ist, während die Gehilfen sich ständig aus den offenen Türen lehnen und das Ziel des jeweiligen Busses in die Gegend rufen. Dann fangen sie an sich durch den Bus zu zwängen und das Geld einzusammeln. Dabei wissen sie ganz genau, wer schon gezahlt hat und wer noch wie viel Wechselgeld wiederbekommt. Manchmal wartet man 20 Minuten bis er wiederkommt um einem das Restgeld zu geben, aber es stimmt immer ganz genau. Auch wenn neue Leute zusteigen, weiß er ganz genau wer schon gez
ahlt hat und wer nicht.
Ein eher (aus unserer Sicht altmodisches) Fortbewegungsmittel ist das Pferd. Auch für schwere Lasten wird es hier noch über Stock und Stein gepeitscht. Außerdem werden sie vor Kutschen gespannt um den Touristen eine „Kitsch-Fahrt“ durch Granada zu ermöglichen. In diesem Fall werden ihnen meist noch alte, hässliche Schleifen um den Kopf gebunden, die definitiv nicht schön sind und das Pferd unheimlich nerven müssen.
Eine letzte Möglichkeit bietet das Boot. Durch die großen Seen Nicaraguas und die Flüsse die sie Verbinden und ans Meer anschließen kann man viele Orte auch per Boot erreichen. Außerdem kann man sich beispielsweise die „Isletas“ (Inseln im See die der Sage nach durch einen Vulkanausbruch des Mombachos entstanden sind) per Boot anschauen und erkunden.
Insgesamt wird glaube ich deutlich, dass egal welches Transportmittel gewählt wird, immer so viele Personen mitgenommen werden wie irgendwie möglich ist, was nett ist weil man überall mitkommt, aber auch den Nachteil hat, dass man manchmal enger beisammen stehen muss als man will :)
Abhilfe schafft da für einen Großteil der Bevölkerung das Fahrrad. Es ist verhältnismäßig günstig und kann im Extremfall bis zu vier Personen transportieren (ja vier: einer auf dem Sattel, einer auf dem Gepäckträger, einer auf der Stange und eine weitere Person auf dem Lenker).
Eine ähnliche Menschendichte kann man auf Mofas antreffen. Vater, Mutter und Kind ist keine Ausnahme. Manchmal wird noch das Baby mitgenommen. Mofas sind beispielsweise auf unbefestigten, löchrigen Staubwegen besonders praktisch, da sie sich einen Weg durch all die Hügel und Täler, der durch den Regen zerstörten Straßen suchen können.
Wenn man allerdings mit mehr Personen unterwegs ist wählt man für solche Strecken die „Camioneta“ – einen Pick-Up. Auch auf denen können meist erstaunlich viele Personen mitfahren und solange noch Platz ist nimmt man immer gerne jemanden mit oder wird mitgenommen. Dieses Gefährt bietet meiner Meinung nach eine perfekte Möglichkeit des Trampens, denn 1. muss man keine Angst haben bei wem man einsteigt (zur Not kann man ja einfach abspringen ;)), 2. derjenige der einen mitnimmt muss keine Angst haben wen er da mitnimmt und 3. man muss sich nicht gezwungenermaßen mit dem Fahrer über Gott und die Welt unterhalten. Wenn man also hintendrauf mitfährt klopft man einfach auf das Fahrerabteil, steigt ab und bedankt sich.
Innerhalb der Stadt kann man ansonsten natürlich auch Taxi fahren. Die sind relativ günstig und man zahlt beispielsweise innerhalb Granadas 10 C$ (=40 cent) für eine Fahrt - lustigerweise pro Person. Auch hier ist die Personenzahl relativ unbegrenzt. Der Rekord von uns liegt bei 11 Personen. Eine weitere Besonderheit der Taxis in Nicaragua ist ihre Liebe zur Hupe. Eine Hand ruht meist während der gesamten Fahrt auf der Mitte des Lenkrads um alle paar Sekunden entweder eine Überholung oder die Überkreuzung einer Kreuzung anzukündigen. Auch Fußgänger bieten eine Gelegenheit zum Hupen, da sie Potentielle Mitfahrer sind. Auch durch rufen aus dem Fenster machen die Taxifahrer auf sich aufmerksam. Wenn dann tatsächlich ein Fußgänger mit möchte braucht man sich nicht wundern wenn er/sie einfach mit einsteigt. Das ist so üblich. Es gibt auch noch eine kleinere Sorte von Taxis die aussehen wie kleine Elektroautos und eher kurze Strecken fahren. Sie tragen meist einen Namen wie „Playboy“ oder ähnliches.
Für weitere Strecken – beispielsweise nach Managua – nutzt man die Busse (Eisenbahnen wurden während der Revolution zerstört, bzw. die Materialien gestohlen). Bei denen lässt sich noch unterscheiden zwischen Expresos – relativ große Omnibusse die bis zum Erbrechen vollgestopft werden – und Chickenbuses (gleiches Phänomen). Das sind die gelben, ausgemusterten Schulbusse aus Gringolandia (USA) die eine schwarze Wolke von Abgasen hinter sich her ziehen. Mit den Expresos ist man etwas schneller unterwegs, dafür kosten sie auch ein bisschen mehr (20C$ = 70cent). Aussteigen kann man überall wo man will. Einfach dem Geldeintreiber Bescheid sagen, schon hält der Bus. Die Bezahlungsweise ist ebenfalls sehr beeindruckend. Zunächst fährt der Bus ein ganzes Stück, bis er aus der Stadt raus ist, während die Gehilfen sich ständig aus den offenen Türen lehnen und das Ziel des jeweiligen Busses in die Gegend rufen. Dann fangen sie an sich durch den Bus zu zwängen und das Geld einzusammeln. Dabei wissen sie ganz genau, wer schon gezahlt hat und wer noch wie viel Wechselgeld wiederbekommt. Manchmal wartet man 20 Minuten bis er wiederkommt um einem das Restgeld zu geben, aber es stimmt immer ganz genau. Auch wenn neue Leute zusteigen, weiß er ganz genau wer schon gez
Ein eher (aus unserer Sicht altmodisches) Fortbewegungsmittel ist das Pferd. Auch für schwere Lasten wird es hier noch über Stock und Stein gepeitscht. Außerdem werden sie vor Kutschen gespannt um den Touristen eine „Kitsch-Fahrt“ durch Granada zu ermöglichen. In diesem Fall werden ihnen meist noch alte, hässliche Schleifen um den Kopf gebunden, die definitiv nicht schön sind und das Pferd unheimlich nerven müssen.
Eine letzte Möglichkeit bietet das Boot. Durch die großen Seen Nicaraguas und die Flüsse die sie Verbinden und ans Meer anschließen kann man viele Orte auch per Boot erreichen. Außerdem kann man sich beispielsweise die „Isletas“ (Inseln im See die der Sage nach durch einen Vulkanausbruch des Mombachos entstanden sind) per Boot anschauen und erkunden.
Insgesamt wird glaube ich deutlich, dass egal welches Transportmittel gewählt wird, immer so viele Personen mitgenommen werden wie irgendwie möglich ist, was nett ist weil man überall mitkommt, aber auch den Nachteil hat, dass man manchmal enger beisammen stehen muss als man will :)
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Tanzkurs von LOCREO
Jan und ich betreten gemeinsam mit Carla - Direktorin des Theaterzweigs von LOCREO - den Platz vor der Casa Comunal im Barrio ("Armenviertel") 'La Villa'. Kaum sind wir einige Schritte gegangen kommen lachende, aufgeregte Kinder mit offenen Armen auf uns zugelaufen und umringen uns in kürzester Zeit. Wir haben sie noch nie gesehen, doch sie begrüßen uns als seien wir alte Bekannte auf die sie schon lange gewartet haben. Mit lauten Rufen kommt Olivia die Kursleiterin des Tanzprojekts hinterher. Es
erscheint kaum möglich den bunten Haufen zu bändigen, doch nach bereits erstaunlich kurzer Zeit haben sich alle in der leeren Halle versammelt. „Wir fangen gerade an uns aufzuwärmen“ erklärt Olivia nachdem sie uns begrüßt hat. Dann stellt sie uns noch ein Mädchen vor, dass weder Hören noch Sprechen kann. Trotzdem nimmt sie an den Tanzstunden teil – sie spürt den Rhythmus durch ihre Partner und Partnerinnen. Mit lauten Anweisungen beginnt Olivia dann das Aufwärmen. Die Schultern werden gekreist und auch die Hüfte kommt nicht zu kurz. Langsam begreife ich warum die Latinos so gut Tanzen und die Hüften kreisen können – sie lernen es einfach schon von klein auf. Nach dem Aufwärmen wollen sie uns einige Tänze vorführen, die sie in letzter Zeit einstudiert haben. Doch Olivia muss feststellen, dass der Strom ausgefallen ist, was leider sehr häufig vorkommt. Enttäuscht hören die Kinder auf herumzuspringen. Doch auf den Vorschlag das Lied zu singen finden sie ihre Freude wieder. Die kleineren sitzen im Kreis um die etwas älteren und trällern das geforderte Lied während der Tanz aufgeführt wird. Erstaunlicherweise kommt mir das Lied bekannt vor und es stellt sich heraus, dass selbst hier die gleichen Raggeaton-Lieder wie in der Disko gespielt werden. Eine weitere Sache die mich überrascht sind die Kommentare Olivias: Es heißt nicht „Anspannen“ oder „Haltung“ wie in den elitären Tanz- und Ballettschulen bei uns, sondern „Sexy“! Als der Strom dann schließlich doch noch wieder kommt, beginnt ein großes Gekreische und Olivia hat Mühen die Kinder wieder zur Ruhe zu bekommen. Die Tänze werden also noch einmal aufgeführt und ein Mädchen imitiert täuschend echt Shakiras-Hüftschwung. Bevor wir den Kurs wieder ver
lassen bekommen wir von jedem einen Kuss auf die Wange – die typische Art sich zu begrüßen – und uns wird für unser Kommen gedankt. Wir wären immer willkommen und sie freuen sich wenn wir noch einmal kommen. Zum Abschied winken noch alle aus dem Eingang hinter uns her und es bleibt ein freudiges Gefühl im Herzen zurück. Die Kinder sind einfach so überglücklich mit etwas was bei uns selbstverständlich ist – ein kulturelles, künstlerisches Angebot -, dass man sich ihrer Freude nicht entziehen kann!
Montag, 22. September 2008
Mombacho
Am Wochenende haben wir - das sind Florian, Josef und Jan (unser neuer Mitbe
wohner seit etwa einer Woche; auch aus Hamburg!!!) und dazu Jordi (spanischer Journalist der eine Reportage unter anderem über die Casa schreibt) und sein "Sohn" (Sohn seiner Lebensgfährtin) - eine Tour zum Mombacho gemacht. Der Mombacho ist einer der neun Vulkane in Nicaragua, liegt lediglich einige Kilometer südliche von Granada und ist etwa 1200m hoch. Nachdem wir um 8 Uhr morgens den Bus bis zum Fuße des Mombachos genommen haben, haben wir zu Fuß in etwa zwei einhalb Stunden den Gipfel erklommen. Sehr anstrengend aber die Mühe lohnt sich. Oben
wurden wir belohnt von einzigartigen Tierarten die nur in diesem Naturreservat vorkommen (zumindest sagten uns das die Tafeln), einem inzwischen zugewachsenen Krater und "Fumadores" (Löcher aus denen Wasserdampf, bzw. Schwefel hinauskommt was bedeutet: der Vulkan lebt!!!). Normalerweise hat man außerdem von einer wunderbaren Sicht über Granada, den Nicaragua-See mit seinen Isletas und das umliegende Land belohnt. Doch wie es dann immer so ist, war es bewölkt und wir konnten nicht allzu viel erspähen.
Den Abstieg haben wir uns nach einem weiteren ein einhalb stündigen Rundgang auf dem Vulkan erleichtert und haben den Transport genommen :)
Den Abstieg haben wir uns nach einem weiteren ein einhalb stündigen Rundgang auf dem Vulkan erleichtert und haben den Transport genommen :)
Samstag, 20. September 2008
Die Magie der Musik
Hier in Nicaragua so weit weg von zu Hause, wird mir wieder einmal klar wie besonders doch die Erfindung der Musik ist. Wahrscheinlich wurde sie gar nicht erfunden sondern ist uns angeboren, denn schon die allerersten Menschen gaben ja eher Töne als Worte von sich, doch darüber möchte ich nicht weiter philosophieren - zu viel Recherche. Ich spreche lieber über das, was mir auffällt.
Hier an der Casa können Kinder und Jugendliche Unterricht in verschiedensten Musikinstrumenten nehmen: Gitarre, Klavier und verschiedene Blasinstrumente bis hin zur Geige. Kurse zur Stimmbildung und Singen im Chor werden ebenso angeboten. Nachmittags wenn die Unterrichtnehmenden also keine Schule mehr haben, kommen sie zur Casa um zu üben oder auch Unterricht zu geben. Da es keine Übungsräume gibt Proben alle in der Casa verteilt, wobei meist mehrere verschiedene Unterrichtsstunden im großen Patio (offener Hof) gegeben werden - direkt neben unserem "Büro". Die Klarinette spielt also Hänschen Klein mit falschem Schlußton (das scheint hier einfach so zu sein), die Geige fiedelt ihre Töne dazwischen und etwa zehn Leute geben Laute von sich, die wiederum eher den Geräuschen der Urmenschen gleichen - das nennt sich dann Stimmbildung. Eine wundervolle Vorstellung - die Casa erfüllt von verschiedensten Klängen. Ein Ort der Harmonie?
Das Fragezeichen deutet bereits an, dass diese Vorstellung in Frage zu stellen ist. Am ersten Tag ist es noch schön, am zweiten fängt es bereits an zu nerven und am dritten verliert man die Nerven. Man setzt sich also Kopfhörer auf und dreht die Musik am Laptop so laut, dass man kaum noch was vom Durcheinander hört in der Hoffnung annähernd konzentriert arbeiten zu können. Trotzdem kann man es den Musizierenden nicht übel nehmen. Auch ich spiele nicht fehlerfrei und auf Anhieb richtig Oboe und habe trotzdem immer weitergespielt und nochmals und nochmals eine falsche Phrase zum besten gegeben. Für sie bedeutet es einen Ausweg aus dem Alltag, genauso wie für uns, durch den sie ihre Probleme und täglichen Hürden vergessen können. Gleichzeitig können sie ihre eigene Persönlichkeit weiterbilden und sich sogar eine Grundlage für eine berufliche Zukunft schaffen.
Genauso wie für sie, bedeutet die Musik für mich hier einen Ausweg. Einen Ausweg im positiven Sinne. Ich verkabel mich mit meinem I Pod und entschwinde in ein anderes Land. Ein Land der Sinne und Träume. Sie hilft mir meine Gedanken und all das Neue zu verstehen und zu verarbeiten.
Die Musik ist ein Spiegel des Inneren, sowohl als ein beeinflussender Faktor von Außen. Wir hören nicht nur Gute-Laune Musik wenn es uns gut geht, sondern wir bekommen meist auch gute Laune wenn wir die Musik hören.
Auch außerhalb der Casa hat Musik hier einen relativ großen Stellenwert. Jeder Einheimische kann jegliche Bachata-Texte (neumodische, lateinamerikanische Musikrichtung von der Gruppe Aventura geprägt) auswendig mitsingen und man geht niemals durch die Straßen ohne Musik zu vernehmen. Aus Geschäften, Restaurants, von Ständen die gebrannte CD's verkaufen oder von Pick-Ups die mit riesigen Boxen hinten drauf durch die Gegend fahren und meist "Low" von T-Pain spielen (ja...liebe Stufenfahrt-Mitreisenden ich musste schon sehr lachen als ich gleich an meinem ersten Abend die Melodie dieses Liedes hörte, aber es ist wahr: auch die Nicaraguaner sind diesem Lied verfallen). Es wird jedoch auch auf der Straße nicht einfach nur Musik abgespielt sondern häufig auch selbst gemacht. Beispielsweise ziehen regelmäßig gegen halb sieben Kinder, bzw. Jugendliche mit ihren Trommeln und Becken in Scharen vor der Casa vorbei und versetzen den Parque-Central in eine unglaublich laute Geräusch-Kulisse.
Selbst aufgeweckt werde ich meist von Musik: Das Cafemail welches sich direkt unter unserer Wohnung befindet öffnet zwischen halb sieben und sieben und die Mitarbeiter scheinen es zu lieben, als allererstes die Musik laut aufzudrehen - mit Vergnügen Shania Twain oder Celine Dion.
Dies ist eine weitere Sache in Sachen Musik die mir aufgefallen ist: Es ist egal wie alt sie ist - so lange man mitsingen kann und der Rythmus gefällt wird sie gespielt.
Ihr seht also: mein Leben ist zur Zeit so gut wie immer mit Musik oder verschiedenen Klängen erfüllt. Es hat viele negative Seiten doch die positiven werden wohl immer überwiegen! Denn letztendlich fängt man doch auch selbst immer wieder an mitzusummen oder im Takt zu wippen :)
Hier an der Casa können Kinder und Jugendliche Unterricht in verschiedensten Musikinstrumenten nehmen: Gitarre, Klavier und verschiedene Blasinstrumente bis hin zur Geige. Kurse zur Stimmbildung und Singen im Chor werden ebenso angeboten. Nachmittags wenn die Unterrichtnehmenden also keine Schule mehr haben, kommen sie zur Casa um zu üben oder auch Unterricht zu geben. Da es keine Übungsräume gibt Proben alle in der Casa verteilt, wobei meist mehrere verschiedene Unterrichtsstunden im großen Patio (offener Hof) gegeben werden - direkt neben unserem "Büro". Die Klarinette spielt also Hänschen Klein mit falschem Schlußton (das scheint hier einfach so zu sein), die Geige fiedelt ihre Töne dazwischen und etwa zehn Leute geben Laute von sich, die wiederum eher den Geräuschen der Urmenschen gleichen - das nennt sich dann Stimmbildung. Eine wundervolle Vorstellung - die Casa erfüllt von verschiedensten Klängen. Ein Ort der Harmonie?
Das Fragezeichen deutet bereits an, dass diese Vorstellung in Frage zu stellen ist. Am ersten Tag ist es noch schön, am zweiten fängt es bereits an zu nerven und am dritten verliert man die Nerven. Man setzt sich also Kopfhörer auf und dreht die Musik am Laptop so laut, dass man kaum noch was vom Durcheinander hört in der Hoffnung annähernd konzentriert arbeiten zu können. Trotzdem kann man es den Musizierenden nicht übel nehmen. Auch ich spiele nicht fehlerfrei und auf Anhieb richtig Oboe und habe trotzdem immer weitergespielt und nochmals und nochmals eine falsche Phrase zum besten gegeben. Für sie bedeutet es einen Ausweg aus dem Alltag, genauso wie für uns, durch den sie ihre Probleme und täglichen Hürden vergessen können. Gleichzeitig können sie ihre eigene Persönlichkeit weiterbilden und sich sogar eine Grundlage für eine berufliche Zukunft schaffen.
Genauso wie für sie, bedeutet die Musik für mich hier einen Ausweg. Einen Ausweg im positiven Sinne. Ich verkabel mich mit meinem I Pod und entschwinde in ein anderes Land. Ein Land der Sinne und Träume. Sie hilft mir meine Gedanken und all das Neue zu verstehen und zu verarbeiten.
Die Musik ist ein Spiegel des Inneren, sowohl als ein beeinflussender Faktor von Außen. Wir hören nicht nur Gute-Laune Musik wenn es uns gut geht, sondern wir bekommen meist auch gute Laune wenn wir die Musik hören.
Auch außerhalb der Casa hat Musik hier einen relativ großen Stellenwert. Jeder Einheimische kann jegliche Bachata-Texte (neumodische, lateinamerikanische Musikrichtung von der Gruppe Aventura geprägt) auswendig mitsingen und man geht niemals durch die Straßen ohne Musik zu vernehmen. Aus Geschäften, Restaurants, von Ständen die gebrannte CD's verkaufen oder von Pick-Ups die mit riesigen Boxen hinten drauf durch die Gegend fahren und meist "Low" von T-Pain spielen (ja...liebe Stufenfahrt-Mitreisenden ich musste schon sehr lachen als ich gleich an meinem ersten Abend die Melodie dieses Liedes hörte, aber es ist wahr: auch die Nicaraguaner sind diesem Lied verfallen). Es wird jedoch auch auf der Straße nicht einfach nur Musik abgespielt sondern häufig auch selbst gemacht. Beispielsweise ziehen regelmäßig gegen halb sieben Kinder, bzw. Jugendliche mit ihren Trommeln und Becken in Scharen vor der Casa vorbei und versetzen den Parque-Central in eine unglaublich laute Geräusch-Kulisse.
Selbst aufgeweckt werde ich meist von Musik: Das Cafemail welches sich direkt unter unserer Wohnung befindet öffnet zwischen halb sieben und sieben und die Mitarbeiter scheinen es zu lieben, als allererstes die Musik laut aufzudrehen - mit Vergnügen Shania Twain oder Celine Dion.
Dies ist eine weitere Sache in Sachen Musik die mir aufgefallen ist: Es ist egal wie alt sie ist - so lange man mitsingen kann und der Rythmus gefällt wird sie gespielt.
Ihr seht also: mein Leben ist zur Zeit so gut wie immer mit Musik oder verschiedenen Klängen erfüllt. Es hat viele negative Seiten doch die positiven werden wohl immer überwiegen! Denn letztendlich fängt man doch auch selbst immer wieder an mitzusummen oder im Takt zu wippen :)
Abonnieren
Posts (Atom)









